Giftköder – eine allgegenwärtige Gefahr

Ob nun im Juli in Minden und Osnabrück, im August in Belm und Wallenhorst oder aktuell in Hiddenhausen – leider werden immer wieder Fälle von offenbar gezielt mit Gift präparierten Fleischködern bekannt.

Dass die Gefahr eines solchen Köders allgegenwärtig sein kann, zeigte uns im Mai diesen Jahres ein besonders drastischer Fall aus Lübbecke, wo die Mischlingshündin Luna einen Köder fraß, der gezielt über einen Gartenzaun hinweg auf das Privatgrundstück ihrer Besitzer geworfen wurde.

Luna wurde mit erhöhtem Speichelfluss und starken, krampfartigen Zitteranfällen in unsere Klinik eingeliefert. Aufgrund der Symptomatik wurde die Diagnose der Vergiftung mit einem nervenwirksamen Gift sofort gestellt und Lunas Zustand umgehend durch Infusionslösungen und Medikamente gegen das Krampfen stabilisiert. Kurz darauf führten wir eine Magenspülung bei ihr durch. Tatsächlich konnten so Teile der Substanz sichergestellt werden, die sich auch in den im Garten ausfindig gemachten Resten eines Mettklumpens befand. Eine eingeleitete Untersuchung der Substanz bestätigte später die Diagnose der Vergiftung: Es handelte sich um die Nervengifte Parathion und Sultotep.

Trotz sofort ergriffener Maßnahmen, blieb der Zustand der Hündin zunächst kritisch. Nach einer intensiven stationären Versorgung über vier Tage konnte Luna jedoch glücklicherweise  bereits wieder in die liebevolle Obhut ihrer Besitzer entlassen werden. Bis zur vollständigen Genesung vergingen dennoch einige Tage.
Luna war unterdessen allerdings nicht der einzige, sondern einer unter sechs ähnlichen Vergiftungsfällen. Und leider ging nicht jeder solcher Fälle am Ende glücklich aus.
Schnelles Handeln ist bei einer Vergiftung das A und O. Daher sollten Sie sich bei dem Verdacht einer Vergiftung  – wie bei jedem Notfall – telefonisch anmelden. So können wir bereits während Ihrer Fahrt zu uns wichtige Vorbereitungen treffen.

 

schwere Vergiftungsfälle

Schwere Vergiftung nach Spaziergang

Gleich mehrere Hundebesitzer haben im Frühjahr innerhalb weniger Wochen ihre Vierbeiner nach einem Ausflug im Bereich Stemweder Berg mit schwersten Vergiftungserscheinungen zu uns in die Tierklinik Preußisch Oldendorf gebracht.
Zwei Patienten – ein neun Monate alter Mischlingsrüde und eine zehnjährige Foxterriermischlingshündin – sind am sogar am selben Tag eingeliefert worden. Beide Hunde mussten in ein künstliches Koma versetzt werden. Es handelte sich dabei bereits um die Fälle fünf und sechs dieser Art.

Bei dem ersten Hund, der zu uns gebracht wurde, sah es aufgrund der Krampfanfälle zunächst nach Epilepsie aus, doch das konnten wir schnell ausschließen. Die beiden nächsten Fälle wiesen einige Symptome einer Vergiftung mit Schneckengift auf. Allerdings passten nicht alle Anzeichen zu dieser Form der Vergiftung. Die Symptome, die alle betroffenen Hunde aufwiesen, traten entweder auf, noch während die Besitzer mit ihnen unterwegs waren oder kurze Zeit später, nachdem sie wieder zuhause waren. Die Tiere fielen einfach zur Seite und bekamen anhaltende epileptiforme Krämpfe.

 

Bei dieser Art von Krämpfen legen die Tiere den Kopf in den Nacken, haben Streckkrämpfe in den Beinen sowie hochfrequentes Kieferschlagen. Aus den nicht nachlassenden Krämpfen resultiert ein hochgradiger Energieverbrauch, und dadurch steigt die Körpertemperatur in den letalen Bereich auf etwas über 42 Grad, ist also lebensbedrohlich. Normal liegt die Temperatur bei einem Hund bei 38,5 bis 39 Grad.
Hier muss schnellstens gehandelt werden. Um die Krämpfe zu behandeln, hat unser Klinikteam die Patienten  in ein künstliches Koma gelegt. Sie müssen intubiert werden, erhalten Sauerstoff, werden bei Bedarf künstlich beatmet und bekommen Infusionen. Diese dienen der Kreislaufstabilisierung und Nierenperfusion, das heißt dem Flüssigkeitsdurchlauf. Zudem sind sie Träger für die Dauermedikation der Barbiturate (Betäubungsmittel). Dann wird den vergifteten Tieren der Magen entleert und ausgespült, bevor sie Kohletabletten verabreicht bekommen.

Das Wichtigste ist es, die Krämpfe zu unterbinden. Dafür reichen normale entkrampfende Medikamente jedoch nicht aus, es muss sehr vorsichtig mit Barbituraten therapiert werden, die die Hunde durch den Tropf erhalten. Die Dosierung wird in sehr kurzen Abständen und sehr fein nachgeregelt. Durch das künstliche Koma sinkt die Körpertemperatur jedoch stark, so dass die Hunde dann zusätzlich gewärmt werden müssen. Die Atmung wird von uns ebenfalls ständig überwacht. Die Gefahr des Nierenversagens ist groß. Deshalb verabreichen wir zusätzlich Medikamente zum Ausschwemmen. Dadurch fließt der Urin. Um die  Hunde trocken zu halten, liegen sie auf saugfähigen Unterlagen, die regelmäßig gewechselt werden.

 

Glücklicherweise haben alle Hunde überlebt. Um welches Gift es sich letztlich gehandelt hat, konnte auch trotz einer hereingereichten Probe, die wir in einem Labor toxikologisch untersuchen ließen, nicht festgestellt werden. Rattengift schließen wir jedoch definitiv aus. Es handelt sich hierbei aber auf jeden Fall um ein Gift, welches das vegetative Nervensystem angreift.