Beliebtes Stöckchenspiel ist eine brandgefährliche Angelegenheit, die lebensbedrohlich enden kann

Wenn Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern unterwegs sind und dann auch noch  Zeit haben, mit ihren Tieren zu spielen, ist das sicherlich ein Genuss für beide Seiten. Doch gerade bei dem beliebten Stöckchenapportieren kann der Spaß schnell dramatische Folgen für den Hund haben, wenn es zu sogenannten Pfählungsverletzungen kommt. Denn beim Herumtollen und Rennen kann das harmlos aussehende Stöckchen im schlimmsten Fall wie ein Speer in den Hals eindringen.

Im Notdienst wurde ein Patient zu uns gebracht, der beim sonntäglichen Spaziergang von seinem Besitzer zu Stöckchenspielen animiert worden war und plötzlich, nach einem lauten Aufschrei sowie offensichtlichen Schmerzen im Maul, aufhörte, zu spielen. Die Maulhöhlenuntersuchung in unserer Klinik ergab, dass das Stöckchen unter der Zunge in den Hals bis kurz vor den Brusteingang eingedrungen war. Nur mit einer aufwändigen Operation gelang es unserem Team, den etwa zehn Zentimeter langen Stockrest zu entfernen.

Ein typischer Ablauf für einen solchen Spielunfall ist, wenn der Hund rennt, dabei den Stock längs im Maul trägt, stolpert oder gar vor ein Hindernis läuft. Durch die so abrupt abgebremste Laufgeschwindigkeit entwickelt sich ein enormer Druck, und das Stöckchen bohrt sich mit Wucht durch den Fang in den Hals. Die daraus resultierende Verletzung kann lebensbedrohlich sein.  Bei einem Boxer, der vor etwa zehn Jahren in unsere Tierklinik gebracht wurde, hatte sich solch ein Stöckchen sogar in das Kleinhirn des Tieres gebohrt. Dieser Hund  war leider nicht mehr zu retten.

Eine Operation aufgrund von Pfählungsverletzungen ist meist schwierig und langwierig, da Stöckchenreste oft tief in den Hals eindringen, wo lebensnotwendige Strukturen verlaufen wie Halsschlagader, Luftröhre, Speiseröhre, Kehlkopf, Schilddrüse, Nerven und Halswirbelsäule. Nicht zu unterschätzen sind ebenso kleine abgesplitterte Holzstückchen, die selbst vom Fachmann sehr schwer zu entdecken sind. Sie können sogar nach Jahren noch wandern und gesundheitliche Probleme verursachen.

So stellten in einem weiteren Fall beispielsweise die Besitzer eines Mischlingsrüden, der sich zehn Tage zuvor eine Stöckchenverletzung zugezogen hatte, fest, dass sich das allgemeine Befinden ihres Vierbeiners verschlechterte, er keinen Appetit hatte, plötzlich ohne ersichtlichen Grund aufschrie und im Halsbereich in seiner Bewegung eingeschränkt war. Zudem nahmen sie einen starken eitrigen Geruch aus dem Maul ihres Hundes wahr. Der Besitzer hatte direkt nach dem Unfall, dessen genauen Hergang er nicht beobachtet hatte, zunächst eigenständig den Ast entfernt. Eine anschließende Röntgenuntersuchung durch den Haustierarzt war unauffällig gewesen. Als der Rüde dann zehn Tage später in unserer Klinik gebracht wurde, konnten bei der Untersuchung der Maulhöhle keine offensichtlichen Verletzungen festgestellt werden. Lediglich eine mittelgradige Schwellung war zu sehen. Erst nach Einsatz eines Kontrastmittels wurde das verbliebene Holzstückchen auf der Röntgenaufnahme sichtbar und konnte mit Hilfe einer Sonde entfernt werden. Der Hund wurde unter anderem mit Antibiotika versorgt. Nach zwölf Tagen war die Wunde komplett verheilt und der Patient in guter Verfassung.

Unser Rat: Auch wenn dieser Fall vergleichsweise glimpflich ausgegangen ist, sollten Hundebesitzer im Interesse ihres vierbeinigen Freundes auf das Spielen mit Stöckchen lieber verzichten.

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